Traumasensible Therapie und EMDR
In Deutschland leiden etwa 6 bis 8 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Angststörung oder Depression. Eine nicht behandelte Angststörung kann sich zu einer Depression entwickeln.
Die Ursachen für Angststörungen, Panikattacken, Posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen können sehr unterschiedlich sein, dazu gehören zum Beispiel:
- Bindungs- und Entwicklungstrauma
- Genetische Disposition
- Einschneidende Lebensumstände
- Negative Gedanken und Glaubenssätze
- Nahrungsunverträglichkeiten
- Mangel z.B. an Vitamin D3 oder B
- Medikamente (z.B. Antibiotika, Hormonpille)
- Schilddrüsenerkrankungen
- Stress
- Trauma (Schocktrauma, Bindungs- u. Entwicklungstrauma)
- Überforderung
- Vererbte und übernommene Gefühle und Trauma z.B. der Eltern und Vorfahren (Transgenerationales Trauma)
Traumasensible Therapie
Traumasensible Therapie wird vorallem bei Bindungs- und Entwicklungstrauma begleitend angewendet.
Traumasensible Therapie kann ohne erneutes Erzählen alter Traumata (Wunden), Verletzungen oder Gefühle angewendet werden.
Das heißt wir können, ohne Einzelheiten früherer Erfahrungen und Erlebnisse preiszugeben (seien diese bewusst oder unbewusst), traumasensibel begleitet werden, also ohne Re-traumatisierung!
Doch dazu benötigen wir Kapazitäten und Ressourcen. Diese wiederum können während der Therapie und auch selbstständig zu Hause nach und nach aufgebaut und bewusst gemacht werden. Unter anderem mit traumasensiblem Austausch und Mitteilen, mit Vagusübungen, TRE Übungen dem sog. neurogenem Zittern zur Regulierung des autonomen Nervensystems und je nach Bedarf mit guter Begleitung.
Das Ziel ist mehr Entspannung, Resilienz, Selbstregulation und Selbstannahme in und nach stressvollen Situationen und Erlebnissen.
Mehr zu diesem Thema finden Sie weiter unten im Text.
"Was ist Schocktrauma, Bindungs- u. Entwicklungstrauma und TRE?"
EMDR
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing, zu deutsch: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung) ist ein therapeutisches Verfahren zur Behandlung von Angst-, Seelischen- und Traumafolgestörungen der amerikanischen Psychologin Dr. Francine Shapiro.
(Quelle Ther Medius Institut, EMDR)
EMDR kann zum Beispiel angewendet werden bei:
- Ängsten, Panikattacken, Prüfungs- und Höhenangst
- Postraumatischen Belastungsstörungen
- mentalem und emotionalem Leidensdruck
- Schocktrauma
- Trauer
Durch gezielte Augenbewegungen kann, während das Ereignis erinnert wird, das autonome Nervensystem entspannen, d.h. die ursprünglich belastende Situation kann keinen Stress mehr auslösen.
Ein belastendes Gefühl kann damit von der auslösenden Situation und dem damit einhergehenden negativem Glaubenssatz gelöst werden, was zu Entspannung und Wohlbefinden beitragen kann.
Mehr zu Schocktrauma, Bindungs- und Entwicklungstrauma, TRE:
Was ist Trauma?
Trauma bedeutet übersetzt "Wunde".
Ein Trauma ist eine schwere seelische Verletzung, die durch ein überwältigendes Ereignis ausgelöst wird, welches die Bewältigungsfähigkeiten einer Person überfordert und zu tiefgreifenden emotionalen, körperlichen oder psychischen Reaktionen führt, wie z.B. Angst, Flashbacks oder Depressivität, oft als Folge von Unfällen, Gewalt oder Katastrophen, die nicht sofort verarbeitet werden können. (Quelle, Wikipedia)
Wir unterscheiden zwischen einem
- Schocktrauma
einem eher einmaligen stark einprägsamen Erlebnis wie z.B einem Unfall, einer Gewalterfahrung, einer Naturkatastrophe, Operationen,
und einem
- Bindungs- und Entwicklungstrauma.
Was ist ein Bindungs- und Entwicklungstrauma?
Trauma ist keine psychische Erkrankung sondern ein Körperzustand, verursacht durch ein dysreguliertes autonomes Nervensystem, meist seit der Kindheit.
Das Nervensystem, welches sich in der Kindheit erst nach und nach ausbildet, kann durch immer wiederkehrende kleine und große stressvolle, lieblose und unsichere Situationen nicht in einen ausgeglichenen, regulierten Zustand heranreifen. Das kann früher oder später u.a. zu Ängsten, Sorgen, Panik, Depressionen, Esstörungen, Süchten, Selbstzweifel, nicht "nein" sagen können, führen.
Das heißt, wir leben und funktionieren aus dem sog. Überlebensmodus des Nervensystems.
Dieser dysregulierte Zustand des autonomen Nervensystems (autonom heißt auch, dass wir keinen willentlichen Einfluss darauf haben) kann auch dazu führen, dass wir unentwegt denken und funktionieren müssen oder uns Sorgen machen. Also ein immerwährender innerer Dialog, auch wenn wir das gar nicht wollen.
Als Traumafolge, wenn wir uns als Kind nicht sicher und verbunden fühlten, empfinden wir, meist unbewusst, andere Menschen als Bedrohung obwohl eines unserer wichtigsten Bedürfnisse das nach Sicherheit, Verbundensein und Dazugehören ist.
Mehr oder weniger betrifft es fast jede/n von uns, wenn wir als Kind immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass wir nicht so angenommen und geliebt wurden wie wir waren, uns also eine verläßliche, stabile Bindung zu einem Erwachsenen fehlte. Zum Beispiel wenn man uns als Baby schreien liess, wenn wir die Erwartungen der Erwachsenen nicht erfüllt haben oder nicht leistungsstark, klug, lieb, ruhig und pflegeleicht waren, wir gemobbt wurden oder immer wieder für unser Verhalten, für unsere Gefühle wie z.B. Wut, bestraft sowie innerlich und äußerlich allein gelassen wurden.
So haben wir uns - unbewusst - angepasst um geliebt zu werden und zu überleben.
Heute denken wir vielleicht, dass etwas mit uns nicht stimmt, obwohl wir unser Bestes geben oder wir wundern uns, warum vieles in unserem Leben nicht funktioniert: unsere Beziehungen, unsere Gesundheit, unsere Arbeit und Vieles mehr.
Unsere Verhaltensweisen sind als Selbstschutz in der Kindheit entstanden, als sog. Überlebensmodus des Nervensystems, um zu überleben und waren daher berechtigt. Heute dient uns jedoch vieles davon nicht mehr.
Was wir uns wirklich wünschen ist Sicherheit und Verbundensein im Kontakt sowie ein gesundes Mass an Nähe und Distanz, ohne Trennung und Selbstaufgabe.
Schon während der ersten Sprechstunde bekommen Sie Informationen mit nach Hause, damit Sie ihr Nervensystem nach stressvollen Situationen selbst regulieren können.
Zum Regulieren des Nervensystems können beitragen:
Stress- und Selbstregulation des Nervensystems durch den Vagusnerv.
TRE Übungen, das sogenannte "Neurogene Zittern".
"Tension and Trauma Release Exercises" von Dr. David Berceli.
TRE Übungen werden als Selbstheilungsreflex bezeichnet.
Stress, Schock und Traumata können mit einfachen TRE Übungen aus dem Körper gezittert werden. Zunächst unter Anleitung, danach auch alleine zu Hause und mit regelmäßiger Begleitung eines/r Therapeut:in.
Es kommen keine Trauma Erinnerungen an die Oberfläche und somit kann das autonome Nervensystem und damit auch der Körper entspannen.
Nach und nach können wir uns wohler und sicherer fühlen und uns selbst so annehmen wie wir sind.
Tiere zittern nach Stress und Schock ganz natürlich und sind danach befreit davon.
Dr. Berceli hat dies mit vielen Hundert traumatisierten Soldaten praktiziert und damit nach und nach die Traumata gelöst.
"Durch den Zustand unseres Körpers sehen wir die Welt."
Dr. phil. Stephen W. Porges
Buchtipps:
"Körperübungen für die Traumaheilung und zur Stressreduktion" von Dr. D. Berceli
„Wege in die Freiheit“ Wie unerkanntes Trauma uns gefangenhält und wie wir es auflösen von Satya Marchand.
"Der Vagusschlüssel zur Traumaheilung" Wie Ehrliches Mitteilen unser Nervensystem reguliert von Gopal Norbert Klein
"Polyvagal-Theorie" Traumabehandlung und Bindung, Dr. phil. Stephen W. Porges hat herausgefunden, dass sich der Parasympathikus in 2 Zweige teilt:
Ventraler Vagus = Wohlfühl- und Selbstheilungsreflex,
Dorsaler Vagus = Tiefenentspannung und Totstellreflex.
Veranstaltungen/Termine dazu:
EM/Ehrliches Mitteilen von Gopal Norbert Klein
Stressregulationsübungen bei Stress, Angst und Trauma
Weitere Informationen zum Thema Trauma finden Sie auch unter Yager Therapie
Für weitere ausführliche Informationen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf über das Kontaktformular oder unter 0176 8451 5313